Konzentration und Fokussierung - die unterschätzten Erfolgswerkzeuge

Text und Fotos von Klaus Botta , 16.01.2024

Information ist der Rohstoff der Zukunft. Aber zu viel Information kann genauso toxisch sein, wie zu viele gleichzeitige Ziele. In beiden Fällen hilft Fokussierung. Hier ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung.

Acht Wochen Zeit, für eine anspruchsvolle Arbeit, für die 6 Monate Bearbeitungszeit veranschlagt waren. Das war die besondere Herausforderung meiner Diplomarbeit im Jahr 1989.

Die Aufgabe: Die konzeptionelle und gestalterische Entwicklung einer digitalen Hifi-Anlage inklusive teilfunktionalem Modellbau im Maßstab 1:1.

Die fatale Zeitknappheit war durch einen gleichzeitig anstehenden „echten Kundenauftrag“ entstanden, weswegen ich mich in den vier ersten Monaten wenig um meine Abschlussarbeit kümmern konnte.

 

 

In buchstäblich letzter Minute wurde alles gerade noch fertig. Die so entstandene Modell-Studie wurde im darauffolgenden Jahr auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin ausgestellt und sorgte für Aufsehen in der Branche.

Der positive Abschluss dieser komplexen Aufgabe unter maximalem Zeitdruck gelang nur durch maximalen persönlichen Einsatz, zahllosen Nachtschichten und – mit absoluter Fokussierung auf dieses wichtige Ziel.

 

 

Heute fällt es mir oft wesentlich schwerer, mich auf ein bedeutsames Ziel zu fokussieren. Das hat viele äußere Umstände, aber auch einige persönlich veränderbare.

Das war der Anlass, mich analytisch mit den Wirkmechanismen dieses mächtigen Werkzeuges, der Fokussierung, auseinander zu setzen. 

 

Was bedeutet „Fokussierung“?

Fokussieren meint im Wortsinn so viel wie „scharf stellen“.

Im übertragenen Sinne bedeutet es, ein Ziel klar zu definieren und sein Erreichen in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns zu stellen.

Mentale Fokussierung ist zudem hilfreich, um Ordnung, Struktur und Richtung in einen Prozess, aber auch in das eigene Leben bringen.

 

 

Fokussierung und Konzentration sind nicht das Gleiche.

Beide Begriffe werden oft synonym gebraucht. Sie sind tatsächlich verwandt, haben aber doch eine etwas andere Ausrichtung.

Ich sehe vor allem zwei wesentliche Unterschiede:

1. Fokussierung kann immer nur auf ein einzelnes Ziel stattfinden. Konzentration dagegen kann sich auf mehrere Themen erstrecken. Ein Beispiel aus der Fliegerei: Beim Landeanflug sollte der Pilot seinen Fokus auf den sicheren Landevorgang legen. Andere Ziele sollten während dieser kritischen Flugphase, ausgeblendet oder zumindest zurückgestellt werden. Seine Konzentration hingegen muss auf verschiedene Beobachtungen und Handlungen aufgeteilt werden (Sicht nach Außen, verschiedene Instrumente und Bedienelemente), um das Hauptziel „Sicheres Landen des Flugzeuges“ technisch korrekt umzusetzen.

2. Die Fokussierung auf ein großes und bedeutendes Haupt-Ziel bezieht sich meist auf ein umfassenderes und längerfristiges Projekt. Große und umfassende Ziele müssen in der Regel in kleinere Etappenziele aufgeteilt werden. Zwischen diesen Teilschritten liegen üblicherweise auch andere Tätigkeiten, die nicht unbedingt auf die Erreichung des Hauptzieles ausgerichtet sind. Das Hauptziel sollte allerdings nie ganz aus den Augen verloren werden und eine durchgängig hohe Priorität besitzen. Es sollte sich, wie der berühmte „rote Faden“, bis zum positiven Abschluss des Projektes durchziehen. Im Unterschied dazu ist die Konzentration ein zeitlich begrenzter Prozess, der auf die Erreichung von Schritten oder Teilzielen ausgelegt ist.

 

Fokussierung zielt auf persönliche Zielsetzung, Konzentration dagegen mehr auf das Weglassen von Nebensächlichem.

Konzentration ist somit ein wichtiges Werkzeug, um ein fokussiertes Ziel zu erreichen.

Warum ist es in unserer Zeit noch wichtiger, sich zu fokussieren?

Es liegt wohl daran, dass unser Alltag gerade in den letzten Jahrzehnten erheblich komplexer und vielschichtiger geworden ist. Das Informationsangebot, um nicht zu sagen die Aufmerksamkeitsnötigung durch soziale Medien wird immer präsenter und penetranter.

Aber auch die berufliche Kommunikationsflut durch Emails, Videokonferenzen oder ebenfalls soziale Netzwerke nehmen weiter deutlich zu. Wir sind gezwungen ständig Prioritäten neu festzulegen und laufende Tätigkeiten zugunsten dringenderer zu unterbrechen. Oft ohne eine Chance alles zu schaffen. Überlastung, Verzettelung und Frustration sind dann fast unvermeidlich.

Fokussierung kann hier ein rettender Fels in der Brandung der Informationsüberflutung sein.

Soweit die einfache Theorie. Wie gelingt die Umsetzung in der komplexen Realität?

 

Fokussierung beginnt mit einem klaren Ziel von hohem Wert.

Die Fokussierung lohnt selbstverständlich nur dann, wenn der Aufwand, der zur Erreichung des Zieles nötig ist, in einem sinnvollen Verhältnis zum angestrebten Ziel steht.

Bei der Definition von konkreten Zielen hilft die SMART-Regel:

Ziele sollten Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert sein.

Sobald ein solches Ziel definiert ist, kann ein Plan zur Umsetzung entwickelt werden.

Fokussierung bedeutet jedoch nicht, den einmal entwickelten Plan unter allen Umständen durchzusetzen. Planänderungen bzw. eine Veränderung der Wege oder Werkzeuge sind immer dann sinnvoll, wenn die bisherigen Maßnahmen nicht oder nicht mehr funktionieren. Oder natürlich auch dann, wenn sich ein Zwischenziel verändert hat.

Im Sinne eines fokussierten Vorgehens ist entscheidend, das Hauptziel im Auge zu behalten.

 

Fokussierung bedeutet, ein Thema in den Mittelpunkt zu stellen und möglichst alle anderen unterzuordnen bzw. auszublenden.

Klingt einfach, ist jedoch in der Praxis oft schwierig durchzuhalten. Gerade der zweite Teil, das Ausblenden von weniger Wichtigem ist oft schwierig. Denn nicht selten werden wir von attraktiven Nebensächlichkeiten abgelenkt, die uns daran hindern, uns auf die aktuell weniger attraktive (aber langfristig wichtigere) Hauptsache zu konzentrieren. Hier kommen zusätzliche Fokussierungs-Faktoren wie die richtige Gewichtung, Konzentration und Disziplin ins Spiel.

Bei wichtigen Arbeiten empfiehlt es sich, möglichst alle Störquellen auszuschalten oder zumindest zu minimieren. Hier meine ich insbesondere die visuellen und akustischen Störungen.

Reizarmut ist eine gute Voraussetzung für konzentriertes und fokussiertes Arbeiten.

Allerdings sollte man es auch hier nicht übertreiben. Zu lange Konzentration auf ein Thema führt zur Ermüdung und damit letztendlich zum Konzentrations- und Motivationsverlust.

Nach entsprechenden Untersuchungen liegt die maximale zusammenhängende Aufmerksamkeitsspanne bei vier bis sechs Stunden.  Angemessene Pausen an den richtigen Stellen sind wichtig, um die Konzentration über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. 

In diesem Zusammenhang noch eine gute Nachricht: Die Dauer der Konzentrationsfähigkeit nimmt mit zunehmendem Alter nicht, wie man erwarten könnte, ab, sondern zu.

 

Konzentration als Werkzeug der Fokussierung.

Hier kommt die Konzentration als wichtiges Werkzeug der Fokussierung ins Spiel. Ähnlich wichtig wie die langfristige Fokussierung auf ein großes Ziel, ist die kurzfristige Konzentration bei den einzelnen Teilschritten.

Beispiel: Um ein Instrument sehr gut zu beherrschen muss man über einen längeren Zeitraum immer wieder und regelmäßig und mit hoher Konzentration bestimmte Übungseinheiten absolvieren.

Man geht davon aus, dass etwa 10.000 Übungsstunden notwendig sind, um in einer bestimmten Tätigkeit ein Meister zu werden (Begabung vorausgesetzt). Dieses Beispiel verdeutlicht nochmals, dass das Hauptziel (hier das perfekte Beherrschen eines Instrumentes oder einer Sportart) nur durch eine sinnvolle Unterteilung in viele Teilschritte erreichbar ist. Die Länge der Abschnitte sollte sich an der Spanne der jeweils aktuellen persönlichen Konzentrationsfähigkeit bzw. Leistungsfähigkeit orientieren.

 

Fokussierung braucht Disziplin.

Hier kommt der bereits oben erwähnte Erfolgsfaktor, nämlich die Disziplin in Spiel. Auch wenn sie in den vergangenen Jahrzehnten etwas an Ansehen in der öffentlichen Wertschätzung verloren hat, ist sie nach wie vor ein unverzichtbares Werkzeug der Fokussierung.

Disziplin ist auch nötig, um möglichst alle kurzfristigen Ablenkungen durch kleine, schnelle Erfolgserlebnisse (sogenannten Quick-Wins) auszublenden und damit fokussiert zu bleiben.

Hier hilft das Abschalten von elektronischen Störquellen (Sozialen Medien, Smartphones, Telefon…) aber auch das „In die Schranken weisen“ von menschlichen Störquellen. Ein freundliches, aber entschlossenes „Nein“ an der richtigen Stelle ist im Sinne der Fokussierung oft sinnvoll. 

 

 

 

Fokussierung braucht Ordnung und Struktur.

Nicht zuletzt erleichtert Ordnung am Arbeitsplatz das störungsfreie Erreichen von Zielen oder Teilzielen. Hier kann ich als unterhaltsamen Ratgeber und Motivator das Buch „Simplify your Life“ von Werner Tiki Küstenmacher empfehlen. Oder, weniger detailliert, aber deutlich kompakter, meinen Blogartikel „Einfachheit ist der wahre Luxus unserer Zeit“.

 

Multitasking ist das Gegenteil von Fokussierung.

Multitasking wird aktuell immer noch als besondere Fähigkeit gefeiert. In Wirklichkeit ist es lediglich ein beschönigendes Wort für „Verzettelung“ und damit das exakte Gegenteil von Fokussierung. Weil sich unser Bewusstsein naturgemäß nur auf ein einziges Thema konzentrieren kann, ist das sogenannte Multitasking nichts weiter als ein ständiges Hin- und Herschalten der Aufmerksamkeit.

Das ist nicht nur anstrengend und energiezehrend, sondern erhöht auch den Stresslevel, die Fehlerquote und fördert Unzufriedenheit.

Bestimmte Lebensumstände und Arbeitssituationen machen dieses gleichzeitige Erledigen von verschiedenen Aufgaben unverzichtbar, sollten aber Ausnahmen bleiben.

Denn Nervosität, Erschöpfung und Burnout können die Folge dieser anhaltenden Verzettelung sein.

 

Die Vorteile der Fokussierung.

Fokussierung hat viel mit Disziplin und manchmal auch mit Verzicht zu tun. Sie bringt aber eine ganze Reihe von positiven Effekten für uns, die den Aufwand allemal wert sein sollten: Klarere Ziele, mehr Erfolg, eine bessere Struktur und Ordnung, mehr Ruhe, und nicht zuletzt auch mehr Gesundheit und mehr Ansehen im persönlichen Umfeld. Fokussierte Menschen wirken gelassener, überlegter und damit souveräner.

  

Fokussierung durch Eindeutigkeit in der Zeitdarstellung.

Genau solche Gedanken waren im Jahr 1986 für mich der Ausgangspunkt für die Entwicklung der ersten Einzeigeruhr der Neuzeit, der Armbanduhr UNO.

Diese Fokussierung auf das Wesentliche – „die intuitiv grafische und einfache Darstellung der Uhrzeit“ – war damals mein Ziel. Während eine Mehrzeigeruhr buchstäblich „mehrdeutig“ ist, ist eine Einzeigeruhr per se „eindeutig“. Sie verkörpert gewissermaßen die fokussierte Darstellung der Zeit.

Es liegt nahe, dass eine klar fokussierte Uhr tatsächlich den „souveränen Umgang mit der persönlichen Zeit“ erleichtert. Jeder Blick auf die Anzeige ist ein kleiner Hinweis zur Fokussierung auf das Wichtige.

  

 

Noch eine Stufe analoger und eindeutiger in der Zeitdarstellung sind unsere 24-Stunden-Einzeigeruhren.

Sie stellen den Tag in Form einer analogen Grafik dar, bei dem die Zeigerstellung dem aktuellen Sonnenstand entspricht. Das ist nicht nur eine besonders natürliche Form der Zeitdarstellung, sondern auch eine besonders anschauliche und überblickhafte.

Diese grafische Form der Zeitdarstellung suggeriert bei jedem Blick auf die Uhr auch einen anderen, bewussteren Umgang mit der Zeit. Hier steht der aktuelle Zeitpunkt im Fokus.

 

Unsere Einzeigeruhren sind die Gegenentwürfe zu Smartwatches.

Smartwatches sind wahre Alleskönner. Sie zeigen nicht nur die Uhrzeit an, sondern auch eingehende Emails, Anrufe, Kurznachrichten, anstehende Termine, Körperzustände, geleisteste Schritte, noch zu leistende Schritte und vieles andere mehr.

Unsere Einzeigeruhren vermitteln nur die Uhrzeit  – und das je nach Modell auch nicht einmal allzu genau.

Aber genau durch diesen Verzicht auf die ständige „Multi-Informierung“ und die damit verbundenen Störungen, ist eine solche Uhr ein angenehmer Begleiter der Ruhe ausstrahlt.

Kein Ton, kein Vibrieren, keine Displayanzeige stört jemals die Konzentration. Zuverlässig!

Ich selbst lege fest, wann ich eine Zeitinformation brauche und erhalte diese angenehm intuitiv grafisch dargestellt. Klar und einfach. 

Viele unserer Kunden beschreiben sie als ein „wirksames Werkzeug für einen bewussten und damit souveränen Umgang mit der Zeit“.

Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen: Ein Blick auf meine Einzeigeruhr vermittelt mir genau diese Ruhe, Klarheit und Fokussierung.

Für mich ist sie ein Symbol für Gelassenheit, das sowohl nach außen (Umwelt) als auch nach innen (auf mich) wirkt.

Unsere Einzeigeruhren sind letztendlich dezente, aber wirkungsvolle Hinweise auf einen bewussten Umgang mit der Zeit. Oder anders ausgedrückt: Werkzeuge zur persönlichen Fokussierung.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Umgang mit der Zeit,

Ihr Klaus Botta 

Klaus Botta

2 comments


  • Alex Neumann

    Lieber Klaus, wie immer ein erfrischender Artikel, der zum Nachdenken anregt. Vielen Dank. In meinem Pilotenleben habe ich gelernt, dass neben Fokussierung und Konzentration vor allem auch Routinen den entscheidenden Sicherheitsvorteil bringen. Anhand von Checklisten werden in jeder Flugsituation (Vorflug, Start, Steigflug, Reiseflug, Sinkflug und Landung) die erforderlichen Soll-Werte laut vorgelesen und laut beantwortet. Routinen bringen Sicherheitsgewinn in komplexen Situationen. Sie erleichtern Konzentration und Fokussierung auf alle jeweils wesentlichen Parameter. Sie helfen dabei, sich nicht auf das Falsche zu fokussieren und dabei Wesentliches zu übersehen. Deswegen “spricht” man Checklisten auch bei Alleinflügen laut. Das ist nicht nur sinnvoll sondern auch enorm beruhigend. Routine hilft auch in “irdischen” Situationen.
    Liebe Grüße, Alex

  • Herr Strohm

    “Wer alles kann, der kann nichts richtig”
    Der eigene Fokus ist Weg und Ziel in einem.
    Auch wenns heute viel nicht gerne hören: Ohne diesen Fokus, Struktur und Fleiß wird der kurzfristige Erfolg zum Zufall.
    Und Zufälle sind im Geschäftlich kein Erfolgsgarant.
    Toller Artikel, danke!
    Gruß aus Bous von Herrn Strohm


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