Human Centric Lighting - Der Einfluss von Licht auf Körper und Geist

Klaus Botta, 20.01.2026

Wie Licht unsere Psyche steuert

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Sie an grauen Wintertagen müder sind oder weshalb helles Licht am Abend Ihren Schlaf stört? Die Antwort liegt tiefer als wir denken: Licht wirkt nicht primär über das bewusste Sehen auf uns, sondern über ein hochspezialisiertes neurobiologisches System, das direkt mit unseren Emotions-, Hormon- und Wachheitszentren verbunden ist.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Licht unseren körperlichen 24-Stunden-Rhythmus steuert, welche psychischen Auswirkungen verschiedene Lichtarten haben und wie Sie dieses Wissen für Ihr Wohlbefinden nutzen können.

Die Netzhaut: Mehr als ein Sensor für Bilder

Unsere Netzhaut ist weit mehr als ein bloßer "Kamerasensor". Sie ist tatsächlich ein vorgelagerter Teil des Gehirns und enthält neben den bekannten Stäbchen und Zapfen eine dritte, lange unterschätzte Klasse von Lichtsensoren: die sogenannten intrinsisch photosensitiven retinalen Ganglienzellen (ipRGCs).

Diese besonderen Zellen mit dem sperrigen Namen:

  • Enthalten das Photopigment Melanopsin
  • Reagieren besonders auf kurzwelliges, blaues Licht (460-490 nm)
  • Feuern langsam, aber anhaltend
  • Dienen nicht der Bildwahrnehmung, sondern der biologischen Regulation

Diese Zellen sind der Schlüssel zum Verständnis, warum Licht so tiefgreifend auf unsere Psyche wirkt.

Der richtige Lichteinfall

Für die physiologische Wirkung von Licht sind nicht nur Lichtfarbe und Lichtintensität entscheidend, sondern auch der Einfallwinkel des Lichts ins Auge. Besonders wirksam für die steuernde Wirkung auf unseren Organismus ist Licht, das in einem Winkel von etwa 0° bis 45° über dem Horizont ins Auge fällt. In diesem Bereich liegen die photosensitiven Ganglienzellen, die für die nicht-visuelle Wirkung des Lichts verantwortlich sind, wie die Regulation der inneren Uhr, des Hormonhaushalts und des Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei normaler Tageslichtbeleuchtung ist von Natur aus der richtige Einstrahlwinkel gegeben, sodass die maximale Wirksamkeit erreicht wird.

Wie Licht direkt unser Hormonsystem steuert

Anders als die Signale für das Sehen werden die Informationen der ipRGCs nicht an unseren visuellen Kortex (der für die Bildverarbeitung verantwortliche Teil des Gehirns) weitergeleitet, sondern an zentrale Stellen im Gehirn, die unseren Biorhythmus und unsere Emotionen steuern:

Der suprachiasmatische Nukleus (SCN) – ein kleiner Bereich in Gehirn, direkt hinter den Augen. Er ist  unsere innere Hauptuhr die viele wesentliche Funktionsabläufe im Körper zeitlich steuert.

Der SCN ist der Taktgeber unserer circadianen (tageszeitabhängigen) Rhythmik. Er steuert:

  • Den Schlaf-Wach-Zyklus
  • Die Körpertemperatur
  • Den Cortisol- und Melatoninrhythmus. 

Das Licht wirkt hier als Zeitgeber – es synchronisiert unsere innere Uhr mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Ein stabiler SCN-Takt führt nachweislich zu besserer Stimmung, höherer Resilienz und klarerem Denkvermögen.

Melatonin: Der Schlüssel zum psychischen Wohlbefinden

Melatonin wird oft als "Schlafhormon" bezeichnet, spielt aber eine weit komplexere Rolle:

  • Dunkelheit führt zu erhöhter Melatoninproduktion
  • Licht (besonders blaues Licht) unterdrückt die Melatoninausschüttung

Melatonin beeinflusst:

  • Die emotionale Reizverarbeitung
  • Unsere Impulskontrolle
  • Das Angstniveau
  • Die Depressionsneigung

Cortisol: Der natürliche Aktivator

Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das morgens verstärkt ausgeschüttet wird. Es wirkt aktivierend, steigert die Aufmerksamkeit und bereitet den Körper auf die Anforderungen des Tages vor. Damit ist es der natürliche Gegenspieler von Melatonin, dem „Schlafhormon“. Während Melatonin abends für Ruhe und Entspannung sorgt, hilft Cortisol, morgens wach, konzentriert und leistungsfähig zu sein. Ein ausgewogenes Wechselspiel beider Hormone ist entscheidend für einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus und unser allgemeines Wohlbefinden.

Wenn unser Melatonin-Rhythmus gestört wird, kann dies zu Einschlafstörungen, Reizbarkeit und Grübelneigung führen. Ein zu flacher Melatonin-Cortisol-Kontrast – etwa durch zu wenig Tageslicht – kann Antriebslosigkeit und depressive Verstimmungen begünstigen.

Der 24-Stunden-Rhythmus: Chronobiologie und Zeitwahrnehmung

Unser Körper folgt einem natürlichen 24-Stunden-Rhythmus, der maßgeblich durch den Wechsel von Licht und Dunkelheit gesteuert wird. Dieser Rhythmus ist tief in unserer Biologie verankert und beeinflusst praktisch alle Körperfunktionen.

"Die innere Uhr des Menschen ist auf einen 24-Stunden-Tag ausgelegt, in perfekter Übereinstimmung mit der Erdrotation," erklärt Klaus Botta, Zeitphilosoph und Gründer von BOTTA. "Diese Erkenntnis hat uns zur Entwicklung unserer 24-Stunden Uhren inspiriert, die den Tag als vollständigen 24-Stunden-Zyklus darstellen – genau wie unser Körper ihn erlebt."

Die chronobiologischen Phasen im Tagesverlauf:

  • Früher Morgen (6-9 Uhr): Cortisol steigt, Körpertemperatur nimmt zu, Wachheit setzt ein
  • Vormittag (9-12 Uhr): Höchste Konzentrationsfähigkeit und analytisches Denken
  • Mittag (12-14 Uhr): Leichter Leistungsabfall, in manchen Kulturen Zeit für Siesta
  • Nachmittag (14-17 Uhr): Zweites Leistungshoch, gute Koordination
  • Abend (17-22 Uhr): Körpertemperatur beginnt zu sinken, Melatoninproduktion startet
  • Nacht (22-6 Uhr): Tiefschlafphasen, maximale Melatoninausschüttung, Regeneration

Die Synchronisation dieser Phasen erfolgt hauptsächlich durch Licht. Fehlt dieser natürliche Zeitgeber oder wird er durch künstliches Licht zur falschen Zeit gestört, gerät unser System aus dem Takt – mit weitreichenden Folgen für unsere psychische Gesundheit.

Serotonin: Wie Licht unsere Stimmung aufhellt

Neben der Melatoninregulation beeinflusst Licht auch die Verfügbarkeit von Serotonin, unserem "Wohlfühlhormon". Die höhere Lichtintensität führt zu höherer Serotoninverfügbarkeit, dieser Effekt ist besonders in den Morgenstunden stark ausgeprägt.

Dies erklärt:

  • Die stimmungsaufhellende Wirkung von Tageslicht
  • Die Wirksamkeit von Lichttherapie bei Depressionen
  • Die erhöhten Suizidraten in lichtarmen Jahreszeiten

Die psychologischen Effekte verschiedener Lichtparameter

Intensität

  • Unter 100 Lux (typisches Innenlicht): biologisch schwache Wirkung
  • 1.000–10.000 Lux (Tageslicht): stark aktivierend
  • Psychische Auswirkungen: mehr Wachheit, bessere Stimmung, höhere Stressresistenz

Spektrum

  • Hoher Blauanteil: aktivierend, aufmerksamkeitssteigernd, aber abends problematisch
  • Warmes Licht: beruhigend, melatoninschonend, ideal für die Abendstunden

Die falsche Anwendung – etwa blaues Licht von Displays am Abend – kann psychisch destabilisierend wirken und den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören.

Zeitpunkt

  • Morgenlicht: wirkt antidepressiv und strukturierend
  • Abendlicht: kann Angstzustände fördern und den Schlaf stören
  • Unregelmäßige Lichtexposition: fördert emotionale Dysregulation (starke Gefühlsschwankungen)

Klinisch-psychologische Relevanz: Wenn das Lichtsystem gestört ist

An Störungen des sogenannten retinal-hypothalamischen Lichtsystems (Im Wesentlichen bestehend aus den Helligkeitszellen ipRGCs und der inneren Uhr SCN)) sind an zahlreichen psychischen Erkrankungen beteiligt:

  • Major Depression
  • Bipolare Störungen (Phasenverschiebung)
  • Angststörungen
  • ADHS (circadiane Instabilität)
  • Demenz (Tag-Nacht-Umkehr, Agitation)

"Licht ist hier kein bloßer Umweltfaktor, sondern ein neurobiologischer Regulator," betont Klaus Botta. "Ähnlich wie unsere UNO 24 Uhren den Tag als natürlichen, sonnensynchronen Zyklus darstellen, braucht unser Körper ein natürliches Lichtmuster, um im Gleichgewicht zu bleiben."

 

Zeit und Licht: Eine natürliche Verbindung

Die enge Verbindung zwischen Licht und unserer Zeitwahrnehmung ist kein Zufall. Evolutionär haben wir uns über Jahrmillionen an den natürlichen Rhythmus von Tag und Nacht angepasst.

"Unsere UNO 24 Uhren spiegeln diesen natürlichen Zeitverlauf wider," erklärt Klaus Botta. "Mit nur einem Zeiger, der sich einmal in 24 Stunden um das Zifferblatt bewegt, zeigen sie die Zeit so, wie sie tatsächlich verläuft – synchron mit dem Sonnenstand und unserem biologischen Rhythmus."

Diese Art der Zeitdarstellung entspricht unserem natürlichen Zeitempfinden und unterstützt ein bewussteres, entspannteres Verhältnis zur Zeit – ähnlich wie natürliches Licht unser Wohlbefinden fördert.

Human Centric Lighting – Licht nach menschlichem Maß

Human Centric Lighting rückt den Menschen und seinen natürlichen Rhythmus in den Mittelpunkt. Durch gezielte Lichtsteuerung – aktivierendes Licht am Morgen, beruhigendes Licht am Abend – lassen sich Wohlbefinden, Konzentration und innere Balance deutlich steigern. So wird Licht zum stillen Impulsgeber für mehr Klarheit und Lebensqualität – ganz im Sinne unserer Zeitphilosophie: Zeit ist Ihr wichtigstes Gut.

Praktische Tipps für eine gesunde Lichtexposition

Basierend auf den neurowissenschaftlichen Erkenntnissen können Sie Ihren Alltag lichtbewusster gestalten:

  • Starten Sie den Tag mit natürlichem Morgenlicht – 15-30 Minuten reichen aus
  • Nutzen Sie Tageslichtpausen, besonders in der dunklen Jahreszeit
  • Reduzieren Sie blaues Licht in den Abendstunden (Nachtmodus bei elektronischen Geräten)
  • Schaffen Sie eine Abendroutine mit warmem, gedimmtem Licht
  • Investieren Sie in biologisch wirksame Beleuchtung, die dem natürlichen Tagesverlauf folgt

Fazit: Licht als Schlüssel zum psychischen Wohlbefinden

Der Einfluss von Licht auf unsere Psyche ist tiefgreifend und wissenschaftlich gut belegt. Licht wirkt über spezialisierte Rezeptoren in unserer Netzhaut direkt auf zentrale Gehirnregionen, die unsere Stimmung, unseren Hormonhaushalt und unseren Schlaf-Wach-Rhythmus steuern.

Wie Klaus Botta es ausdrückt: "Der Mensch fühlt Licht, bevor er es sieht." Diese Erkenntnis können wir nutzen, um unsere Lebensqualität zu verbessern – durch bewussten Umgang mit Licht und Zeit.

Ähnlich wie die UNO 24 Uhren von BOTTA, die den natürlichen 24-Stunden-Rhythmus abbilden, können wir unseren Alltag so gestalten, dass er im Einklang mit unserer inneren Uhr steht. Das Ergebnis: mehr Energie, bessere Stimmung und ein gesünderer Schlaf.

FAQ: Häufige Fragen zum Thema Licht und Psyche

Wie kann ich saisonale Depressionen durch Licht bekämpfen?

Tageslichtlampen mit 10.000 Lux, morgens für 30 Minuten angewendet, können die Symptome einer saisonalen Depression deutlich lindern. Sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrem Arzt, besonders wenn Sie an bipolaren Störungen leiden.

Welche Auswirkungen hat Nachtarbeit auf den Biorhythmus?

Nachtarbeit stört den natürlichen Melatonin-Cortisol-Rhythmus erheblich. Strategien zur Minderung: spezielle Lichtbrillen während der Nachtschicht, konsequente Verdunkelung beim Tagschlaf und regelmäßige Schlafzeiten an freien Tagen.

Wie wirkt sich blaues Licht von Bildschirmen auf den Schlaf aus?

Blaues Licht unterdrückt die Melatoninproduktion und kann den Schlaf um bis zu 3 Stunden verzögern. Nutzen Sie Blaulichtfilter oder den Nachtmodus Ihrer Geräte ab dem späten Nachmittag und vermeiden Sie Bildschirme 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen.

Kann Licht bei der Behandlung von nicht-saisonalen Depressionen helfen?

Ja, Lichttherapie zeigt auch bei nicht-saisonalen Depressionen positive Effekte, besonders in Kombination mit konventionellen Therapien. Die morgendliche Anwendung von Tageslicht oder therapeutischem Licht kann die Serotoninverfügbarkeit erhöhen.

Wie beeinflusst Licht das Lernen und die Konzentration?

Helles, leicht bläuliches Licht (ähnlich dem Tageslicht) steigert nachweislich die Aufmerksamkeit, Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit. Optimale Lernbedingungen: 1.000-1.500 Lux mit leicht erhöhtem Blauanteil in den Vormittagsstunden.

 

Möchten Sie mehr über die Zusammenhänge zwischen Zeit, Licht und Wohlbefinden erfahren? Entdecken Sie die UNO 24 und TRES 24 Modelle von BOTTA, die den natürlichen 24-Stunden-Rhythmus abbilden und ein bewussteres Zeiterleben fördern. Entdecken Sie auch das YOUR TIME by BOTTA Prinzip indem wir Ihnen mit wöchentlichen Impulsen einen entspannten Umgang mit Ihrer persönlichen Zeit näher bringen.  

Dieser Artikel basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Chronobiologie und Neuropsychologie. Die Informationen ersetzen keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden psychischen Beschwerden wenden Sie sich bitte an entsprechende Fachpersonen.

1 Kommentar


  • Michael Städter

    Ein sehr informativer Artikel. Einiges wusste ich schon aber das meiste war tatsächlich neu für mich. Ich habe jetzt tatsächlich einen neunen Blick auf das Licht und seine psychische Wirkung auf uns Menschen. Sehr umfassend und kompetent geschrieben und dabei wirklich gut verständlich. Auch die verwendeten Bilder dienen der Anschaulichkeit. Vielen Dank für die nützliche Information. Ich werde einiges davon direkt umsetzen. M.S.


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